Bei unserer Reihe Konstanzer Stadtgesichter laden wir interessante Menschen aus der Stadt und dem Umkreis zum Interview. Wir lernen den Menschen und seine Themen im Gespräch kennen und freuen uns auf spannende Einblicke hinter die Kulissen eines Lebens. Ausgehend und inspiriert von den Geschichten und ihren Hintergründen improvisieren wir im Wechsel zum Interview als Improschauspielende und -musiker Szenen. So offenbaren sich neue Blickwinkel auf diese Lebensgeschichte, für Zuschauende und Mitwirkende. Es entsteht ein Hin und Her, ein Miteinander und kurzweiliger Austausch zwischen Expertengespräch und Bühne.
Aleida Assmann ist emeritierte Professorin für Anglistik und Kulturwissenschaft an der Universität Konstanz. Zusammen mit ihrem Mann Jan Assmann hat sie das Buch Gemeinsinn. Der sechste, soziale Sinn geschrieben und darin gezeigt, wie die verbindenden Kräfte in unserer Gesellschaft gestärkt werden können. Vieles in ihrem Leben hat Ausnahmecharakter: Während der Nachkriegszeit, als noch das allgemeine Schweigen herrschte, spielte an ihrer Schule die Auseinandersetzung mit der NS-Vergangenheit eine wichtige Rolle. Mitten im Kalten Krieg führte sie ihr Weg als Austauschülerin in die USA und auf Schulreisen in die DDR. Ihr Studium, das auf dem Höhepunkt der Studentenrevolution stattfand, wurde immer wieder durch Grabungsaufenthalte in Oberägypten unterbrochen. Als Mutter von fünf Kindern widmete sie sich später dem Kindersegen, ohne ihre wissenschaftliche Leidenschaft aufzugeben. Das große Thema ihres Lebens wurde die Erforschung des kulturellen Gedächtnisses und der Erinnerungskultur in Deutschland. Für ihre herausragende Arbeit erhielt sie gemeinsam mit Jan Assmann 2018 den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels und 2022 das Bundesverdienstkreuz. Aleida Assmann engagiert sich weiterhin für gesellschaftliche Themen und greift in öffentliche Debatten ein.
Wir freuen uns sehr, Aleida Assmann in unserer Reihe „Konstanzer Stadtgesichter“ begrüßen zu dürfen. Mit ihr möchten wir auf ihr Leben zurückblicken und über die heutige Zeit sprechen – über Erinnern, kulturelles Gedächtnis, Verantwortung, Frauen in der Wissenschaft und besonders über Gemeinsinn in unserer Gesellschaft.